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Die Geschichte der FFW Obergrafendorf Die FFW Obergrafendorf gehört zu den wenigen Wehren im Landkreis, die auf eine fast lückenlose Vereinschronik zurückgreifen kann, wenn es gilt Daten und Fakten aus ihrer Geschichte zu belegen. So schreibt der Chronist über die Gründung der FFW Obergrafendorf.„Die Ortschaft Obergrafendorf gründete in den Jahren 1906 bis 1907 eine Feuerwehr mit ca. 22 Mann, welche in den Stammlisten eingetragen sind und im Falle, wenn ein Jubiläum stattfinden soll, zu lesen sind“. Leider haben die Stammlisten die Wirren der Zeit nicht überdauert, so das die Namen der Gründungsmitglieder nicht vollzählig bekannt sind. Bald nach ihrer Gründung wurde bei der Wehr der Wunsch nach einer Fahne laut. Im Jahre 1912 kaufte daher die Wehr ihre erste Fahne. Die Weihe derselben fand am 23. Juni1912 statt. Als Fahnenmutter, so die Chronik, ist beigetreten, Katharina Albrecht, Söldnerin in Obergrafendorf. Im Falle des Ablebens hat sich der Verein verpflichtet, dieselbe mit Fahne und sämtlichen Mitgliedern zu Grabe zu begleiten. 28 Vereine wohnten der Fahnenweihe und dem Festakt bei. Patenverein war die FFW Münchsdorf. Wann die FFW ihr 1. Feuerwehrhaus erhielt ist nicht bekannt. Eine Erwähnung in der Chronik war der Umstand allerdings wert, dass im Jahre 1934 in das Feuerwehrhaus elektrisches Lischt installiert wurde. Der erste Weltkrieg traf auch die FFW hart. Waren es doch viele Feuerwehr-Kameraden, die zu den Waffen gerufen waren, nicht gegönnt, wieder in die Heimat zurückzukehren. Leider finden sich in der Vereinschronik keine Angaben über die Anschaffung der 1. Motorspritze. Vermutlich dürfte es jedoch in den 30iger Jahren gewesen sein. Über die Jahre des 3. Reichs berichtet der Chronist: „Um jeden Irrtum zu vermeiden, möchte ich darüber noch kurz Aufklärung geben. Als im März 1933 das 3. Reich gegründet wurde, so kam es im Laufe der Jahre soweit, dass die örtlichen Vereine so Ziemlich von Festlichkeiten und Feiern ausgeschaltet wurden und durfte auch keine Fahne von diesen Vereinen mehr getragen werden. Die Feuerwehr bestand natürlich schon noch und musste auch im Notfall selbstverständlich eingreifen, bloß Feiern durften nicht mehr abgehalten werden. Es gab nämlich im 3. Reich nur eine Partei, und diese hieß N.S.D.A.P. und dieser Partei gingen dann die verschiedenen N.S. Formationen heraus. Da gab es natürlich schon große Festlichkeiten, aber es war alles einheitlich. Es gab auch nur eine einheitliche Fahne, und diese hieß Hakenkreuzfahne. Das dauerten dann noch kurze Zeit nach Kriegsende, bis dann die Vereine wieder neu aufziehen durften“. Am 10. Dezember 1946 fand nach dem 2. Weltkrieg wieder die 1. Generalversammlung statt. Die Aufbauarbeiten der Wehr nach dem Kriege nahmen somit ihren Lauf. Die FFW knüpfte wieder an die Tradition der Gründungsjahre an und beschloss zur Aufbesserung ihrer Finanzlage wieder eine Christabaumfeier abzuhalten. Der Erlös aus dieser Veranstaltung, welche am 29.12.1946 stattfand, diente überwiegend der Ausrüstung der Wehr, welche im Laufe des Krieges ziemlich zurückgegangen ist. In der Generalversammlung am 21.Januar 1948 befasste sich die Versammlung erstmals mit dem Ankauf einer neuen Motorspritze oder besser gesagt, welche Leistung hierbei auf sie entfallen würde. Gut 2 Jahre später bestellte sie dann bei der Fa. Paul Ludwig in Bayreuth eine neue Motorspritze. Die Auslieferung dieses Löschgerätes erfolgte am 16. November 1950. Die kosten für diese Spritze beliefen sich auf 2 149,00 DM. Der Finanzierung lag ein Staatszuschuss von 525,00 DM, ein Zuschuss der Gemeinde von 250,00 DM und eine Eigenleistung von 1 374,00 DM zugute. Die fehlenden Eigenmittel wurden durch eine Sonderlage von 30 Pfennig je Tagwerk aufgebracht. Das 50jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe warf schon seine Schatten voraus. Am 4. Februar 1956 wählte die Versammlung einen Festausschuss, der nun die Feierlichkeiten zum 50jährigen Jubelfest vorzubereiten hatte. So wurde der 24 Juni 1956 der Tag der Feier des 50jährigen Bestehens für die FFW Obergrafendorf auch ein echter Freudentag. Der langjährige Schriftführer Ludwig Konrad verewigte dieses Herrliche, vom strahlenden Sonnenschein begünstigte Fest in der Chronik wie folgt: Am Sonntag, 24 Juni 1056 feierte unsere Feuerwehr ihr 50jähriges Gründungsfest mit Fahnenweihe, welche einen außergewöhnlichen starken Besuch und sehr schönem und festlichen Verlauf aufzuweisen hatten. Die Weihe der neuen Fahne fand im Pfarrhof statt, verbunden mit einer Feldmesse, gehalten von Herrn Pfarrer Andreas Burger. Am Tag vorher war abends Fackelzug, anschließen Konzert in der Bierhalle und Ehrung der langjährigen Mitglieder durch Kreisbrandinspektor Wageneder von Eggenfelden. Für Musik sorgte die verstärkte Musikkapelle Sepp Aigner von Schönau mit 13 Mann. Als Fahnenmutter fungierte Hafeneder Luise, Kauschöderbäuerin von hier. Als Dank hierfür hat sich der Verein Verpflichtet, dieselbe im Falle des Ablebens mit Fahne, Musik und sämtlichen Vereinsmitgliedern zu Grabe zu geleiten. Als Festjungfrauen fungierten: Amalie Hartl Bauerstochter, Fannerl Grad Bauerstochter , Gerda Hötzl, Postbeamtenstochter. Die neue Fahne wurde angefertigt von der Fahnenstickerei Mathilde Kössinger von Langwaid. Das bei der FFW Obergrafendorf von je her großer Wert auf eine solide Ausbildung der Wehrmänner gelegt wurde, beweist, dass bereits im August 1963 die 1. Gruppe das Leistungsabzeichen der Stufe 1 abgelegt hat. Am 14. November 1963 erhielten die Feuerwehrmänner dieser Gruppe Albrecht Lorenz, Hartl Johann, Schilcher Herbert, Hötzl Josef jun. Voglsang Siegfried, Hafeneder Anton, Weitl Anton, Brennberger Josef jun. und Kellnberger Alfons das Leistungsabzeichen mit den dazugehörigen Urkunden. In der Feuerwehrversammlung am 13. April 1972 beschlossen die anwesenden Feuerwehrkameraden einstimmig, dach dem sich die Ortschaft Dellendorf im Zuge der Gebietsreform der Gemeinde Münchsdorf angliederte, dem Wunsche der Bürger von Dellendorf folgend, diese Ortschaft in den Schutzbereich Obergrafendorf mit aufzunehmen. Das alte Feuerwehrhaus erwies sich längst als zu klein, zudem war es auch noch reparaturbedürftig. In der Generalversammlung am 27.11.1972 votierten deshalb, nachdem die Materialkosten für einen Neubau mit 4 500 DM beziffert worden waren, fast alle anwesenden Feuerwehrkameraden für einen Neubau. Am 14.5.1973 erfolgte dann der 1. Spatenstich für ein neues Feuerwehrhaus. Etwas mehr als 2 Monate später, nämlich am 26. Juli1973 konnte das neue Feuerwehrgerätehaus schon bezogen werden. Außer Materialkosten in Höhe von ca. 8 000 DM und einigen Kasten Freibier waren keine Kosten angefallen, denn sämtliche Arbeiten wurden in beispielhafter Weise von den Mitgliedern unentgeltlich getätigt. Zur gleichen Zeit befasste sich die FFW auch noch mit dem Ankauf eines gebrauchten Feuerwehrautos. Am 28.4.1974 erfolgte in deiner Blitzaktion der Erwerb eines Fahrzeuges Borgward B 2000. Der Preis betrug 6500 DM. So kam es, dass Pfarrer Burger bei der Einweihung des Feuerwehrhauses am 4 Mai 1974 auch einem Fahrzeug den kirchlichen Segen spenden konnte. An die kirchliche Weihe schloss sich eine längere Feier im Gasthaus Hötzl an. Die Bürger von Obergrafendorf haben wieder einmal mehr gezeigt was echter Gemeinschaftssinn bewegen kann. Seit 1980 zählt auch ein Notstromaggregat (5 kVA) zur Ausrüstung der Feuerwehr. Dieses Gerät wurde durch den Landkreis mit 50% der Gesamtkosten bezuschusst. Die Fahne der Wehr befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Deshalb holte der Vorstand von der Fahnenstickerei Miedl in Tann ein Kostenangebot für die Fahnenrenovierung ein. Ende September 1983 brachte die FFW die Fahne dann zum renovieren. Der Preis hierfür belief sich auf 1 200,00 DM. Hierin sind auch noch die Kosten für eine Trauerschärpe und eine rot-weiße Schärpe enthalten. Das Ehrenmitglied Geistl. Rat Andreas Burger feierte am 29. Juni 1985 sein 60jähriges Priesterjubiläum. Die Feuerwehr geleitete den Jubilar, der stets einer ihrer großen Gönner war, zur Kirche nach Münchsdorf. Vorstand Huber regte bei der
Generalversammlung am 16.11.1985 an, an das Gerätehaus einen Aufenthaltsraum
anzubauen. Dieser Vorschlag löste eine lange und rege Diskussion aus. Am 20. Februar 1986 übernahm
die FFW das Feuerwehrauto der FFW Münchsdorf, die zu diesem Zeitpunkt ein
gebrauchtes LF 8 erhielt. Dieses Fahrzeug befand sich zwar in einem besseren
Zustand als ihr altes, hatte aber auch viele Mängel aufzuweisen, deshalb bewarb
sich die FFW, als die Münchsdorfer Feuerwehr ein neues und größeres Fahrzeug
erhielt, um das dort vorhandene Löschfahrzeug. Dieses wurde am 18.9.1986 der
FFW Obergrafendorf überlassen. Mit diesem Fahrzeug ist auch diese Wehr
Fahrzeugmäßig gut gerüstet, Bei dem übernommenen großen Fahrzeug handelt es
sich um ein TSF VW LT 28 aus dem Jahre 1978. Am 31.12.1978 starb das
Ehrenmitglied Pfarrer Andreas Burger nach längerer Krankheit. Der Verstorbene
war ein großer Gönner der Wehr. Bei der Überführung und der Beerdigung
beteiligte sich die FFW mit ca. 30 Personen. Nach reichlicher Planungs-
und Genehmigungszeit konnte im Frühjahr 1988 der Anbau des Schulungsraumes am
Feuerwehrhaus in Angriff genommen werden, Die Arbeiten wurden in Eigenregie getätigt.
Die Baumaterialien stellte die Gemeinde Rossbach zur Verfügung. Bei der
Einweihung am 9. Juli 1989 zollt die anwesenden Ehrengäste der FFW hohen
Respekt für das gelungene Gemeinschaftswerk. Die Baukosten beliefen sich auf 80
000,00 DA. Die FFW erbrachte hierzu 2 000 Stunden Eigenleistung. Nachdem die übrigen Wehren
der Gemeinde Rossbach zum Brandbezirk Johanniskirchen gehörten, die FFW
Obergrafendorf aber als einzige dem Brandbezirk Arnstorf angegliedert war.
Fasste die Vorstandschaft den Beschuss, solange Kurt Aigner Kreisbrandmeister
ist, im Brandbezirk Arnstorf zu verbleiben, dann aber sich dem Brandbezirk
Johanniskirchen anzuschließen. Am 1.10.1988 erfolgte der Anschluss an den
Bezirk Johanniskirchen mit Kreisbrandmeister Heinrich Schilcher aus
Johanniskirchen. Am 3.10.1991 wurde eine neue
Tragkraftspritze 8/8. Der Preis von 14 000,00 DM wurde vom Verein selbst
getragen. Da für das Feuerwehrhaus
und der angrenzenden Kirche zuwenig Parkplätze vorhanden waren, beschloss man
1992, 34 Parkplätze zu erstellen, wobei sich die Kirchenverwaltung an den
Kosten für 15 Parkplätze beteiligte. Mit viel selbst geleisteten
Arbeitsstunden und fachlicher Anpflanzung wurde dadurch das Ortszentrum enorm
verschönert. In einer Vorstandssitzung am
15.2.95 musste kurzfristig der Beitritt zum Feuerwehrverband beschlossen werden.
„
Frauen bei der Feuerwehr nicht mehr wegzudenken“.
Mit dieser Überschrift stand in der PNP ein großer Artikel. Grund: Am
24.9.1997 legten 8 Frauen der Obergrafendorfer Feuerwehr das Leistungsabzeichen
der Stufe mit Bravour ab. Während einer Sitzung der
Vorstandschaft äußerten Frauen den Wunsch, auch ausgebildet zu werden. Da nach
kurzer Zeit eine Grauengruppe aufgestellt war, wurde beschossen, die Frauen als
Mitglieder aufzunehmen und damit auch das Leistungsabzeichen durchzuführen.
Ausgebildet wurden sie vom 1. Kommandanten Max Lehner und 2. Kommandanten Theo
Pichlmaier. Die Damengruppe bestand aus:
Habeck Marianne
Pichlmaier Angelika
Hötzl Luise
Huber Regina
Hartl Manuela
Hartl Daniela
Hartl Sabine
Hartl Tanja Über die Abnahme der
Leistungsabzeichens schrieb die Zeitung: Die erste komplette
Damengruppe im Feuerwehrbezirk West des Landkreises Rottal-Inn hat in
Obergrafendorf die Leistungsprüfung abgelegt. Den Männern standen sie dabei in
nichts nach…. Kommandant Lehner, der der ganzen Sache anfänglich etwas
skeptisch gegenüberstand, zeigte sich dann noch angenehm überrascht vom
technischen Verständnis seinen Feuerwehredamen. Er sprach sogar davon, dass
diese Gruppe sicherlich eine Bereichung für die Feuerwehr Obergrafendorf
darstellen werde, besonders, dann, wenn Einsätze zu einer Zeit zu leisten
seien, in der dien männlichen Aktiven arbeitsbedingt nicht erreichbar seien. Da man die Sirene, die sich
auf dem niedrigen Feuerwehrhaus befindet, im Dorf schlecht hört, wurde diese am
29.10.1998 auf den 13 m hohen Spänebunker der Schreinerei Pichlmaier
angebracht. Nach einer schnell
einberufenen Sitzung am 27.12.1999 beim 2. Kommandanten Pichlmaier Theo, wurde
von ihm ein gebrauchtes Feuerwehrfahrzeug von
der FFW Großköllnbach zur Besichtigung besorgt. Dieses Auto das sich im guten Zustand befand, wurde
von der Vorstandschaft und der anwesenden Dorfbevölkerung begutachtet. Die
anschließende Vorstandssitzung brachte zum Vorschein, dass dieses Auto bei
Zustimmung gesponsert würde. Es wurde einstimmig beschlossen sich für das
Fahrzeug zu entscheiden. Das geschenkte
Feuerwehrfahrzeug LF 8 wurde bei Hans Hartl in der Maschinenhalle untergestellt
und anstehende Arbeiten erledigt. Das Fahrzeug wurde mit freiwilliger Hilfe
unserer Feuerwehrkameraden und -Kameradinnen in ca. 130 Arbeitsstunden auf unser
Bedürfnis angepasst. Am 21.-23.Juli 2000 feierte
die FFW Münchsdorf ihr 125 Gründungsfest mit Fahnenweihe. Dabei war die FFW
Obergrafendorf Bruderverein. Als Festdame hatte sich Hartl Sabine aus Dellendorf
bereit erklärt. Für unser Fahrzeug muss noch Ausrüstung angeschafft werden.
So schaffte man sich im März 2002
ein Notstromaggregat und eine Motorsäge an. Das alte Fahrzeug TSF
verkaufte man nach längeren Verhandlungen mit dem Käufer aus Hamburg am
14.4.2000. Es brachte uns 5600,- DM. Da unser LF 8 jetzt mit
Atemschutzgeräten ausgerüstet ist, werden 12 Mann 2002 als Atemschutzträger
ausgebildet. Die dazu benötigte Schutzkleidung wird in den nächsten Monaten
gekauft. Durch den Fortschritt, dass
schon bald jeder Kamerad ein Handy bei sich trägt, und damit immer erreichbar
ist, wurde 2003 die Handyalarmierung in unserer Gemeinde eingeführt. Die Kosten
dafür belaufen sich pro Feuerwehr auf ca. 455,00 Euro. Bei der Herbstversammlung am
18.10.2003 gab Kreisbrandmeister Heinrich Schilcher sein ausscheiden bekannt.
Als Nachfolger wird unser 2. Kommandant Pichlmaier Theo ernannt. Er wird ab
Januar 2004 für den Feuerwehrbezirk West 3/5 zuständig sein. Die
Vorstandschaft wünschte ihm dazu alles Gute. Nachdem am 23.10.2004 die Neuwahl der Vorstandschaft erfolgte, beschloss die neue Vorstandschaft bei ihrer 1. Sitzung am 16.11.2004 das 100jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe am 12.-14.Mai 2006 abzuhalten. Aus der Geschichte von Obergrafendorf Im
Landgerichte Arnstorf gibt es 3 Grafendorf, eines ist 1 Stunde nördliche vom
Markte Arnstorf, aber das hier gemeinte ist 1 ½ Stunden östlich von Arnstorf
an der Arnstorf-Vilshofener Straße und liegt von Eggenfelden nördlich 7
Stunden entfernt, an der rechten Seite des Kollbaches, Dieses Pfarrdorf,
Dekanats Arnstorf, heißt Obergrafendorf, gehört in die Gemeinde Thanndorf, hat
144 Einwohner, 73 Gebäude und 1 Pfarrkirche. Niemand weiß mehr, wo vormals das
Schloss gestanden hat, obschon das Edelgeschlecht de Grauendorf oder Gravindorf
Ministerialen der Grafen von Biechtenstein, am Gauwalde gegenüber von
Hafnerzell an der Donau in heutigen Österreich, gewesen sind. Ohne Zweifel gehörten einst diesem Adelsgeschlechte sowohl
Hintergrafendorf wie auch Untergrafendorf, welches jetzt eine eigene Gemeinde
bildet und 94 Einwohner mit 31 Gebäuden zählt. Dieses Dorf Untergrafendorf
liegt gleichfalls an der rechten Seite des Kollbaches und von Obergrafendorf 2
Stunden östlich nach abwärts entfernt. Auch in Untergrafendorf befindet sich eine
Kirche, welche zur Pfarrei Uttigkofen gehört. Obergrafendorf nennt man einfach
Grafendorf und daselbst saß auch das Adelsgeschlecht. Der Name deutet es schon
an, dass dieser Ort einem Grafengeschlechte vormals gehört hat. Wahrscheinlich
besaßen einst diesen Ort und das Schloss entweder die Grafen von Biechtenstein
oder Wasserburg und etwa in späteren Zeiten die Grafen von Hals, welche ohnehin
in der Nähe Dienstmannen (Ministeriales) gehabt haben. Es war hier seit alter
Zeit ein adeliges Geschlecht, welches auch die hiesige Pfarrei gegründet hat,
indem anno 1677 ein Pfarrer Martin als gräflicher Pfarrer genannt wird Die hiesige im gotischen Stil erbaute Pfarrkirche zum hl. Erzmärtyrer Stephanus
hat eine Sepultür, in ihr wird das Kirchweihfest am Sonntag nach Dionysi
gefeiert. Im vorigen Jahre wurde dieses Gotteshaus durch das sorgsame Bemühen des
Landtags-Abgeordneten und Pfarrers Arbinger ganz neu und prachtvoll restauriert.
Ehemalige Pfarrei Obergrafendorf Eine uralte Säkularpfarrei ist Obergrafendorf, Bischof
Gebhard I. von Passau, Graf von Pleyen (Plain) (1222 – 1232) schenkte im Jahre
1227 die Pfarrei dem Domkapitel zu Passau. So ist es auch erklärlich,
dass zum Patron dieser Kirche derselbe Heilige erwählt wurde, der auch
Schutzherr des Passauer Doms ist, der Hl. Erzmartyrer Stephanus. Die heutige
Kirche ist ein spätgotisches Bauwerk des 15. Jahrhunderts. Allerdings hat man
dieses Gotteshaus 1863 erhöht und 1898 so restauriert, dass der jetzige Bestand
bis auf die Grundrissanlage diesen beiden Restaurierungen angehört. Fast könnte man achtlos an der
kleinen Kapelle in der Vorhalle vorbeigehen. Hinter dem Schutzgitter erblicken
wir im neugotischen Altärchen ein dreiviertel Meter hohes interessantes, spätgotisches
Holzrelief um 1480 mit der Kreuzigung Christi. Man erinnert sich ein wenig an
die niederrheinischen Schnitzaltäre aus derselben Zeit mit den vielen Figuren.
Hoch über die Menschenmenge und die Landschaft mit einer Burg im Hintergrund
ragen die drei Kreuze mit Jesus in der Mitte und den beiden Schächern zur
Seite. Der fünfgeschossige Turm schließt sich südlich an
den Chor an, am Erdgeschoss ist ein Ziegel mit der eingeritzten Jahreszahl 1736.
Durch das Westportal in der Vorhalle gelangt der Besuchen in die Kirche, der
Chor verfügt über zwei, das Langhaus über drei Joche, die Gewölbegestaltung
stammt aus den vorigen Jahrhundert und die „gotischen Rippen“ sind nur ein
Lattengewölbe mit maskierter, schwächlicher Rippenfiguration von 1863. Die Altareinrichtung ist im einheitlichen neugotischen Stil, unter der dicken Farbschicht sind jedoch einige sehr wertvolle Kostbarkeiten verborgen. So sind die beiden Holzfiguren mit dem Apostel Johannes und dem Benediktinerabt Leonhard hervorragende Kunstwerke aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Am interessantesten ist jedoch das Relief in der Predella des Südlichen Seitenaltares mit der Beweinung Christi um 1480 -90, Die wenigen Getreuen stehen um Jesus, der sein Leiden vollbracht hat. Zwei der Frauen blicken erstarrt aus dem Bild, der junge Johannes schaut auf Maria und den ausgebluteten Leichnam Jesum die beiden Ratsherrn sind in ein leises Gespräch vertieft. Vor diesem ruhigen Hintergrund der nebeneinander stehenden Personen hat der Künstler die Marienklage durch eine völlig andere Linienführung deutlich abgehoben. Maria Magdalena hat sich aus dem Hintergrund gelöst und ist einen Schritt vorgetreten, um Jesu Haupt zu stützen. Die Mutter Maria, in Schleier und langen Mantel gehüllt, nimmt ihren gekreuzigten Sohn an sich. In die Außenmauer des Langhauses sind einige alte Priestergrabsteine eingelassen, einer trägt die Inschrift: „michael Perner vicarius ecclie i. graundorf“ in spätgotischen Minuskeln. |